Überführung von Portugal nach Holland

Am 12.7. sind Nina und ich nach Portugal geflogen um die letzten Einkäufe für die Überführung zu erledigen bevor der Rest der Crew am 15. bzw. 16.7. eintrafen.
Das Wetter war mal wieder nicht ganz auf unserer Seite, zwar hat es diesmal nicht geregnet, jedoch saßen wir jeden Abend ab 17h bis morgens um 10h in dichtem Nebel im Hafen.

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Aber der Wetterbericht versprach Besserung. Ein kleines Tiefdruckgebiet sollte ab dem 17.7. durchziehen und uns 3-4 Tage stabilen Südostwind bei 4-6 Bft. Bescheren.
So haben wir dann am 16. abends noch ein AbschiedsBBQ mit unseren im letzten Jahr gefundenen Freunden im Hafen veranstaltet und sind am 17.7. um die Mittagszeit noch etwas mitgenommen vom vorigen Abend gestartet.

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Leider ließ der Wind noch etwas auf sich warten so dass wir abends den Motor anschmeißen mussten. Gegen zwei Uhr Nachts wurde ich dann durch aufgeregte Stimmen der ersten Nachtwache jäh aus dem Schlaf gerissen: „Sofort den Motor aus!“. Der ganze Salon voller weissem stinkendem Rauch, Uwe (unser Mc. Gyver) schon mit dem Kopf im Motorraum verschwunden um nach der Ursache zu suchen. Peter oben in der Plicht dabei das zuvor nur als Stützsegel genutzte Großsegel zu trimmen, die Genua aus zu rollen und das Schiff mit nunmehr nur etwas über einem Knoten wieder auf Kurs zu bringen.
Wie sich herausstellte war die starre Rückflußleitung vom Zylinderkopf zum Filter gebrochen.
Dank Uwes Einfallsreichtum und der umfassenden Werkstattausrüstung an Bord konnten wir die gebrochene Stelle nach dem Ausbau der Leitung jedoch relativ schnell löten und wieder einbauen. Allerdings blieb da noch das Problem der ca. 40 Liter Diesel die dabei durch die Bilge ins jenseits befördert wurden und so beschlossen wir am nächsten Tag Muros an zu laufen. Erstens um nach zu tanken, zweitens um den Dieselfilter, durch dessen Vibration die Leitung gebrochen war noch besser zu fixieren, was mit einem Distanzstück aus Holz und einem Spanngurt relativ schnell und einfach erledigt war. Die Marina ist übrigens sehr zu empfehlen und der junge Hafenmeister ist am Abend noch mit uns in seinem Privatwagen zur Tankstelle gefahren, da er meinte die 5 Euro für ein Taxi wären absolut verschwendetes Geld. Und der Damenwelt sei an dieser Stelle gesagt; es gibt wohl keine Marina mit besseren Duschen auf der ganzen Welt!

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Am nächsten Nachmittag ging es dann weiter, diesmal mit Ziel Frankreich auf der anderen Seite der Biskaya. Die Überquerung ist dann im großen und ganzen relativ unspektakulär gewesen. Im Großen und Ganzen- bis auf Gustav, unseren Autopiloten. Der hat sich nämlich in der ersten Nacht auf der Biskaya dazu entschlossen den Dienst zu quittieren. Aber glücklicherweise hatten wir ja Mc Gyver mit an Board. Der hat aus einem Nietstift eine provisorische Lösung für das Problem gebstelt- sie hält bis heute!
Die ersten 1 ½ Tage hatten wir guten halben Segelwind und haben oft über 6 Knoten Fahrt durch die aufregende Atlantikdünung gemacht. Für Nina war es am Anfang aufregend da fast jede Nacht pünktlich 15-30 Minuten nach unserem gemeinsamen Wachbeginn der Wind auffrischte und wir reffen mussten um nicht nonstop die Relingsstützen und den Großbaum durchs Wasser zu ziehen. Sie hat sich aber sehr tapfer geschlagen und nach kurzer Zeit Vertrauen in die Segeleigenschaften unserer Zirkon bekommen (vom Motor mal abgesehen, dem trauten wir immer noch nicht über den Weg).

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Zwischendurch gab es immer wieder ein paar Stunden in denen wir den Motor zur Unterstützung anmachen mussten um eine adäquate Geschwindigkeit zu behalten. Am Morgen des dritten Tages ist dann der Wind komplett eingeschlafen, so dass wir Motoren mussten.
Nach drei Tagen und drei Nächten waren war eigentlich schon 30 SM vor der Ile de Quessant die wir umrunden wollten um L’Aber Wrach an zu laufen, jedoch ging dann wie auf Knopfdruck ein 5-6 Bft. aus Nordost an. Um gegenan zu Motoren reicht die Power von dem Sabb nicht aus, also haben wir beschlossen die Nacht über in zwei großen Schlägen Camaret an zu laufen.
Das hat sich auch als gut heraus gestellt, denn beim Öffnen der Backskiste zum Herausholen der Fender kam Nina eine dicke dunkle Rauchwolke entgegen. Kurzer Schreckmoment, aber es brannte nichts. Also Kommando allemann auf Position zum anlegen und Backskiste offen lassen.
Schon beim Anlegemanöver war klar dass etwas mit dem Auspuff nicht stimmt, der Sound aus der Backskiste war zu sportlich….
Aber erstmal egal: Motor aus, Backskiste zu, Bier auf! Wir haben immerhin gerade die Biskaya Richtung Norden gequert, alles andere morgen. Ausserdem gab es eine Aussicht zu genießen- nach einsamen Tagen auf der Biskay sind wir in Camaret doch glatt in ein Klassikertreffen geraten und es es gab etliche schöne Schiffe zubegutachten.

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Nach einem ausgedehnten Frühstück bin ich dann mal hintenrum in den Motorraum gekrochen und siehe da: Krümmer gebrochen. Die letzten Stunden!? ist das Motorkühlwasser in die Bilge gelaufen und von dort abgepumpt worden und die Abgase in die Backskiste und durch die Belüftung raus…sicherheitstechnisch nicht problematisch, jedoch wird es einige Zeit dauern bis wir das im Winterlager wieder sauber haben…
Den Krümmer hat mir dann ein Handwerker vor Ort für 30 Euro wieder geschweißt und er war schnell wieder eingebaut. Ich nehme jetzt mal voraus dass dies der letzte große Defekt auf der Reise war. Zum Glück!

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Die nächste Etappe ging dann nach L’Aber Wrach. Abends um 22.30h sind wir ausgelaufen um mit der Strömung die Il de Quessant innen zu durchqueren, das war eine spannende Fahrt, eine Punktlandung nach der anderen von Tonne zu Tonne mit passendem Wind und im Schnitt 7,5 Knoten Fahrt über Grund.
Leider ist der Wind dann im Morgengrauen eingeschlafen und durch dichten Seenebel ersetzt worden. Bei diesen Bedingungen wollten wir es nicht riskieren L’Aber Wrach an zu laufen so dass wir vor der Ansteuerungstonne noch 3 Stunden herumgedümpelt sind bis der Nebel sich durch die Wärme wieder gelegt hatte. Die Ansteuerung durch die Felsen und die letzten Nebelschwaden war unheimlich schön und im Hafen angekommen wurden wir schon vor der Einfahrt vom freundlichen „Einparkservice“ im Gummiboot empfangen und zu unserer Box begleitet. Der Service ist uns überhaupt auf der gesamten Reise sehr positiv aufgefallen.

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Von hier an ging es am nächsten Tag weiter nach Fecamp. Nach stundenlangem Motoren bei sehr wenig Wind gegen den Strom vor Cherbourg (Guernsey und das Alderney Race hatten wir wegen angesagtem Nordwind extra ausgelassen),frischte es dann Nachts mal wieder kurz nach Ninas und meinem Wachbeginn ordentlich auf. Kurz war die Überlegung Fecamp nicht an zu laufen da die Einfahrt bei Wellen aus Nordwest und starkem seitlichem Strom doch etwas tricky ist, jedoch haben wir entschieden es trotzdem zu machen. Die Einfahrt war dann bei fast achterlichen Wellen und einem 30° Vorhaltewinkel auch echt spannend, aber einmal um die Ecke waren die Segel schnell geborgen und das Schiff nach drei Extrarunden auch anlegefertig. Und auch hier wieder ein super Service: gleich drei Hafenangestellte standen am Steg bereit um unsere Leinen in Empfang zu nehmen. Ob dies auch bei wenig Wind so ist wissen wir nicht, aber in dem wirklich sehr engen Hafen haben wir uns sehr darüber gefreut.

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Das absolute Highlight in Fecamp habe ich dann während dem Kochen durch ein Decksaufbau Fenster in den Hafen fahren sehen und am nächsten Morgen glücklicherweise auch einen Kontakt herstellen können: Eine restaurierte Frans Maas Breeon lief doch tatsächlich in den Hafen ein. Und sie liegt sogar auch am Ijsselmeer wenn sie nicht auf Reise ist. Da werden wir uns sicherlich noch einige Ideen holen.
Die Fahrt nach Dunkerque war relativ ereignislos. Mal weit über 8 Knoten auf dem GPS, dann wieder nur knapp über 3. In dem Fahrwasser was kurz hinter Calais beginnt konnten wir uns dank relativ wenig Verkehr langsam wieder ans Kanalsegeln gewöhnen.
Am nächsten Tag hatten wir uns Ijmuiden oder Den Oever als Ziel gesetzt, abhängig von Wind und Strom. Hinter Belgien wurde es dann noch einmal spannend als wir einem Schleppverband ausgewichen sind der uns anscheinend auch vorher schon an gefunkt hatte. Aber im Funkverkehr hört sich Zirkon dann doch eher an wie SÖÖRKEN und nicht wie gewohnt TZIRKON. Der Voreigner hatte mich nach einigen Bieren mal darauf aufmerksam gemacht, aber irgendwie war mir das entfallen. Naja, immer eine deutlich sichtbare Kursänderung aufs Heck zu und dann langsam wieder (mit Peilung aufs Heck) auf Kurs gehen. Ist besser für die Haarfarbe…

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Kurz nach unserem Nachtwachenbeginn stand dann die Querung der Maasgeul an. Die andere Hälfte der Crew hatte das schon einige Male bei Nacht gemacht, mit Funkreport an jeder Tonne usw. und ganz ehrlich war ich etwas nervös. Als ich dann etwa eine Meile vor der Querung wie gefordert angekündigt habe dass wir etwa in einer halben Stunde (der Strom stand gegen an) von Südwesten her queren wollen war die einzige Antwort: „ no problem sir, we got your signal already, stand by on channel 3“. Dannach wurden etwa 5 Minuten lang die Schiffe im Fahrwasser angefunkt auf ein Sportboot zu achten und tatsächlich wurde ein Tanker und ein Schleppverband hinter uns durchgeleitet obwohl wir noch nicht im Fahrwasser waren. Der Schleppverband ging etwa 200m Hinter uns durch und hat sich vorher nochmal per Scheinwerfer von unserer Position überzeugt, das war ganzschön spannend. Zum Glück war es stockfinster so dass wir die wahre Größe der beiden Schiffe garnicht richtig wahrgenommen haben.
Zwei Stunden später ist dann auch der Strom gekippt und die Frühschicht hat dann den bisherigen Rekord von 8,9 Knoten über Grund eingefahren.
Morgens um 8h sind wir in Ijmuiden angekommen und konnten auch sofort Schleusen.
Was uns direkt aufgefallen ist sind die Unterschiede der Ausstattung der Segelboote:
hochglänzende Fender, Zierdeckchen auf Salontischen, jedes Edelstahlteil an Bord hochglanzpoliert und vor allem auch die Hektik. Jeder will in die Schleuse, da wird viel zu schnell gefahren, überholt, gemeckert, gelästert. Das war doch mit in der Box quer stehenden Einhandseglern, denen ganz in Ruhe geholfen wurde, am Atlantik was ganz anderes. Immer nach dem Motto: Jedes Anlegemanöver bei dem nichts zu Bruch geht ist ein gelungenes Anlegemanöver. Natürlich schmeckt der erste Anleger besser wenn alles perfekt gelaufen ist, aber egal wird es mir hoffentlich immer bleiben. Und am Rande: Es ist bei uns alles perfekt gelaufen, da ich mich nicht hab nötigen lassen schneller zu fahren, auch wenn die Bugkörbe schon verdächtig nah an unserer Windfahne kamen.

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Die Fahrt über den Kanal war dann schön um in Ruhe zu Frühstücken und in Amsterdam wurden wir noch von einer Art Gayparade auf dem Wasser mit lauter Verrückten und lauter Musik empfangen.
Um etwa 14h waren wir durch die Oranje Sluis, doch leider war die Brücke defekt so dass wir bis 18.30h noch festhingen. Eigentlich wollten wir an dem Tag noch bis Stavoren und weiter nach Warns um Abends die Überführung noch gebührend feiern zu können, aber das schien mit der nun nicht mehr schaffbaren Schleuse in Enkhuizen nun doch nicht zu gehen. Nina hat noch den Schleusenwärter angerufen da unser GPS eine Ankunftszeit von 21.59 angekündigt hatte, aber der meinte 22.00h ist Feierabend. Er würde aber dem Nachtwächter Bescheid geben der um 23.00h kommt… ok, also volles Tuch raus bei achterlichem Wind und Maschine dazu, 6,5 bis 7 Knoten, das ist ganzschön schnell….22.03h haben wir dann vor der rot roten Ampel am Steiger fest gemacht. Eine! und dazu auch noch warme! Dose Bier an Bord!!?? Damit sollen wir jetzt wirklich die erfolgreiche Überführung begießen? Das erste Mal ist schlechte Stimmung an Bord und bis nach Hoorn wollen wir auch nicht wieder zurück. Es bricht sogar ein kurzer Streit über die richtige Position der Festmacher aus. Lagerkoller! Da hilft nur ab in die Koje! Aber wir haben ja noch den 23.00h Strohhalm, also Festbeleuchtung anlassen und hoffen! Und tatsächlich, als ich um kurz vor 23.00h raus gucke steht die Brücke auf rot-grün. Ich kann es erst gar nicht fassen, die ganze Crew spielt verrückt und im gleichen Moment werden wir auf Kanal 22 gefragt ob wir immer noch schleusen wollen. Na klar! Dank je well! Thank you sir! sprudelt es aus mir raus. Motor an, Leinen los! Eine halbe Stunde später liegen wir in Enkhuizen im Hafen und sind auf dem Weg in die nächste Kneipe. 45 min= 92 Euro plus Trinkgeld. Aber das haben wir uns verdient. Es wäre sicherlich auch noch länger gegangen aber uns allen hat die Lautstärke nach den Tagen auf See doch arg zugesetzt.
Die Reststrecke nach Warns am nächsten Tag war total entspannt, hier hab ich segeln gelernt, ich kenne immer noch jede Tonne mit Bezeichnung.

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Nach der Ankunft ging dann alles relativ zügig. Das Auto stand schon einige Kilometer weiter bereit, noch schnell für eine Stunde Mittagessen gegangen und anschließend hieß es Auto packen und ab nach Hause.

Noch ein paar Details zum Schluß:

Reisezeitraum: 17.07.2014 – 03.08.2014
Zurückgelegte Strecke: ca. 1050 Sm
Motorstunden: ca.170 Std.
Anzahl angelaufener Häfen: 6
Hafentage: 2
Seetage:17
Gesamtdauer:19 Tage

 

 

 

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