Aufbruch in die Biskaya oder doch Stillstand

 

Am Nachmittag des 23. haben wir nach der Abreise der alten Crew die erste Etappe nach Povoa de Varzim gestartet. Das waren nur knappe 15 Sm, aber zur Eingewöhnung der neuen Crew an die Atlantikdünung und da wir noch Wasser und Diesel bunkern mussten um am nächsten Tag nach Kap Finisterre auf zu brechen sollte das für den ersten Tag reichen. Wie sich später herausgestellen sollte, eine äußerst glückliche Entscheidung.

Im Hafen angekommen haben wir uns gleich daran gemacht eine Tankstelle und einen Supermarkt ausfindig zu machen der Wasser mit Kohlensäure verkauft, was in Portugal generell nicht einfach zu sein scheint. Da uns der Ort so gut gefallen hat und unser Smutje begeistert vom Nahrungsangebot in den kleinen Läden war haben wir beschlossen einen Tag länger hier zu verweilen. Am Abend wurde dann neben dem Verstauen der weiteren Vorräte die Wetterplanung für die Biskaya begonnen und dabei zeichnete sich ab dass in zwei Tagen ein Tiefdruckgebiet durch die Biskaya ziehen würde. Beste Bedingungen also um hinter dem Tief mit SW Wind die Biskaya zu queren. So fiel die Entscheidung einen weiteren Tag zu verweilen um dann direkt von Povoa de Varzim nach Cherbourg durch zu starten. Also haben wir es uns noch ein bisschen gut gehen lassen, die Entwicklung des Wetters beobachtet und voller Vorfreude auf die Abfahrt gewartet. Tatsächlich drehte der Wind dann von NW auf einen moderaten SW Wind mit 4-5Bft.
Ideale Bedingungen!!!
Also alles vertäut, Ventile zu, Motor an und Leinen los….

Schon beim rückwärts Aufstoppen beim Ablegen hatte ich das Gefühl dass der Motor eine schlechte Gasannahme hat, da ich aber bisher nur 4 Hafenmanöver gefahren war und das meine ersten Erfahrungen mit einem Langkieler waren habe ich mir nichts weiter dabei gedacht. In Holland sollte ja genug Zeit sein um ausführlich jede Art von Manövern ausgiebig zu üben. Also in gewohnter Geschwindigkeit mit 900 Umdrehungen um die Innenmole herrum in Richtung SW auf die Ausfahrt zu. Durch den mäßigen SW Wind hielt sich der Schwell in der Ausfahrt in Grenzen, also einfach ein bisschen mehr Gas und…nichts passiert.Im Gegenteil, die Drehzahl bleibt unter Last bei 600 Umdrehungen und wir stampfen uns zwischen den Molen fest und werden durch die um die Nordmole drückende Strömung aus Norden in Richtung Südmole versetzt. Also kurz den Gang raus, einmal Vollgas und der Motor dreht ohne Probleme bis 1600 Umdrehungen hoch. Gang wieder rein, gleiches Spiel wie vorher, 600 Umdrehungen und kein Vortrieb.
Entscheidung gefallen: so nicht!
Ruder rum und auf den Wellen mit achterlichem Wind in den Hafen zurück. Auch beim anschließenden Anlegemanöver kam der Motor mir ungewöhnlich schwach auf der Brust vor.

Ratlosigkeit, bisher hatten wir den Motor nur bei Flaute oder zum Motorsegeln genutzt, jedoch nie unter Volllast; gehört das etwa so? Nach zwei weiteren missglückten Versuchen im Laufe der nächsten Stunden sind wir dann zurück in unsere Box gefahren und haben erst mal eine Krisensitzung einberufen.
Sollten wir tatsächlich dieses nahezu perfekte SW Windfenster verpassen?
So konnte es auf jeden Fall nicht losgehen.
Fazit der Krisensitzung:
Jan und Nina gehen Bier und was zum Kochen kaufen.
Swen und ich räumen die Backskisten leer um von allen Seiten an den Motor zu kommen. Anschliessend wird ein Termin mit den örtlichen Mechanikern gemacht.
Diagnose: Luft im Dieselkreislauf.
Ihre Lösung: Kompression raus und starten mit offenen Entlüftungsschrauben.
Fazit: durchgebrannter Lichtmaschinenregler!!
Kosten mit neuem Regler: 380 Euro!!!!!!
Aber gut, dafür kann es dann morgen losgehen.Am nächsten Tag dann leider das gleiche Spiel wie zuvor, keine Leistung und die Drehzahl geht unter Last mittlerweile nicht mehr über 500 Umdrehungen. Getriebe und Welle laufen leichtgängig, Schraube ist frei, Motor geht jedoch bei jedem Mal schlechter an.

Ohne neue Dichtungen trauen wir uns nicht den Motor auf zu machen, daher fällt die Entscheidung zunächst nach Deutschland zu fliegen und Dichtungen zu besorgen und ein bisschen arbeiten zu gehen um neues Kapital ran zu schaffen. Aber nicht ohne noch ein paar Tage das gute Wetter und den schönen Ort zu genießen.

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