Die Entscheidung ist gefallen,

wir bleiben diesen Winter in Povoa de Varzim in Portugal.

Back again.
10 Tage sind seit der Abreise vergangen und glücklicherweise hat mein Vater sich bereit erklärt mir bei der Untersuchung des Motors zu helfen. Da er schon lange mit alten Schiffsdieseln zu tun hat ist das eine ziemliche Erleichterung für mich. Außerdem sind eine dritte und vierte Hand und ein zweites Paar Augen bei den teilweise recht fummeligen Arbeiten sehr hilfreich.
Nichts wie ran an die Bulletten und ab mit dem Ventildeckel. Schon auf den ersten Blick wird klar: bei diesem Ventilspiel kann der Motor ja gar keine Leistung haben. Das Einlassventil vom vorderen Zylinder hat über 1cm Spiel anstatt der geforderten 0,3mm. Aber die Stellschrauben der Stößel sind gekontert und fest, es hat sich also nichts verstellt, zumindest nicht in einem so großen Bereich.
Bei den anderen drei Ventilen sieht es besser aus, diese lassen sich einfach wieder auf das angegebene Spiel justieren.
Das vordere Ventil jedoch macht uns Sorgen, irgendwie scheint die Stellschraube zu kurz zu sein. Wenn das Ventilspiel richtig eingestellt ist ist die Schraube so weit im Kipphebel verschwunden dass sie sich nicht mehr kontern lässt. Nebenbei bemerken wir dass die kleine Düse die für die Schmierung im Ventildeckel zuständig ist kein Öl versprüht und alles staubtrocken ist, teilweise setzt sogar schon Flugrost an.
Das scheint also eins der Probleme zu sein, aber der Leistungsverlust hat andere Gründe.
Zurück zum ersten Ventil. Was zur Hölle ist hier falsch?

Wir entscheiden uns die ersten beiden Stößel aus zu bauen um zu sehen ob sie unterschiedlich sind, da die Schraube vom ersten neuer aussieht als die anderen drei. Vielleicht wurde hier ja ein falsches Teil verbaut. Aber sie sehen identisch aus, die Stellschrauben sind ebenfalls gleich lang. Wo fehlt dieser verdammte cm? Ist die Nockenwelle defekt?

Moment; der Stößel hat in der oberen Pfanne einen kleinen Riss, einmal genauer hingeschaut und siehe da: Die Stellschraube hat sich über einen Zentimeter tief in den Stößel gearbeitet was wahrscheinlich an der fehlenden Schmierung liegt.
Der Fehler scheint also gefunden, aber ohne mindestens einen neuen Stößel können wir hier nichts mehr machen.

Über Internet und Telefon hat Nina schon alles in Bewegung gesetzt und ruck zuck haben wir zwei baugleiche Motoren für kleines Geld als Ersatzteilspender an der Hand. Trotzdem ist diese Baustelle hier erst mal gestoppt und die Überfahrt muss auf nächstes Jahr verschoben werden.

Nichts desto trotz ist die to do Liste lang und wir haben noch 7 Tage Zeit einiges zu erledigen.

Als erstes machen wir uns daran einen Landstromanschluß und ein Ladegerät ein zu bauen, da die Batterien bisher nur über ein Solarpaneel geladen wurden und die ganze Starterei des Motors in der Vergangenheit die Batterien immer wieder an ihre Grenzen gebracht hat.

Als nächstes mache ich mich daran die 12V Anlage durch zu messen und überflüssige oder veraltete Leitungen und Geräte zu entfernen oder neu zu verkabeln.

Ein ganzschönes Wirrwarr, aber mit der Zeit gewinne ich den Überblick und später auch die Oberhand.
Nachdem das erledigt ist und mein Vater in der Zwischenzeit schon die neuen Verschalungen für den Navitisch vorbereitet hat können wir uns an den Einbau der neuen Geräte machen die bisher nur provisorisch für die Überfahrt verkabelt waren und nun ihre endgültigen Plätze finden.

Während der Lack der Verschalungen getrocknet ist haben wir noch die Fußpumpe der Pantry ausgetauscht und den Einbau der elektrischen Seewasserpumpe für die Pantry vorbereitet, die alte Truma Gasheizung ausgebaut, den Einbau des Fäkalientanks vorbereitet…und und und….

Wie heisst es so schön? 10 Stunden Arbeit für eine Stunde segeln. Da scheint was dran zu sein, aber es macht ja auch Spaß zu sehen wie es voran geht.

Ausserdem haben wir traumhafte neue Nachbarn im Hafen, die nach einer längeren Reise ein Refit in Povoa de Varzim durchführen wollen und mit denen wir sicherlich noch weitere feuchtfröhliche Abende verbringen werden. Tatsächlich sind die beiden vollberufliche Clowns im echten Leben.

Hier noch ein paar Bilder von den Ein- und Umbauten. Macht sich doch ganz gut das schwarze Plexi hinter den weissen Holzrahmen. Die hintere schwarze Abdeckung bekommt noch einen Holzrahmen, da war aber vor Ort auf die schnelle kein passendes Material auf zu treiben.

before

Navitisch fast fertig

Landstrom

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