Böse Überraschung

Nachdem Anfang Januar die Ausläufer des Sturmtiefs Herkules an der europäischen Atlantikküste doch für einige Zerstörung gesorgt haben waren wir froh via Facebook von dem Betreiber des Hafenrestaurants die Nachricht über das Wohlbehalten unserer Zirkon zu bekommen.
Ein Flug zur Kontrolle war jedoch schon gebucht und wie sich herausstellte war es auch allerhöchste Eisenbahn.

Abends angekommen schien zunächst alles in Ordnung zu sein, Hauptschalter an, Sicherungen an, Salonbeleuchtung an und…oha, alles mit Stockflecken und Schimmel überzogen.
So ein Mist!
Die Bilge war bis knapp unter die Bodenbretter voll mit Wasser und das an Land!?

Am unteren Bildrand sieht man die Inspektionsluke vom Wassertank der sich im Kiel befindet, ein Glück stand das Wasser nur bis kurz davor. Der Entnahmestutzen oben im Bild steht jedoch schon unetr Wasser.

Am unteren Bildrand sieht man die Inspektionsluke vom Wassertank der sich im Kiel befindet, ein Glück stand das Wasser nur bis kurz davor. Der Entnahmestutzen oben im Bild steht jedoch schon unetr Wasser.

Stockflecken

mehr Stockflecken

Auf der Suche nach der Ursache bin ich dann schnell fündig geworden:
Die Kabeldurchführung vom Mast ins Schiff endet in einem abgetrennten Bereich von einem kleinen Bücherregal im Salon, welches komplett geflutet war.
Von da aus ist das Wasser auf die Salonpolster und weiter nach unten durch die Staufächer in die Bilge gelangt. Aber so viel? Das konnte ich zunächst nicht glauben.

Hier sieht man oben rechts neben dem Mastfuß das arme Bücherregal welches ständig geflutet wurde.

Aus dem Mast kommt ein Schlauch der die Kabel direkt durchs Deck nach unten führt. Dieser hatte an der Oberseite einen kleinen Riss der schnell geflickt war, aber da können ja schlecht zwei bis dreihundert Liter Wasser durch gekommen sein.
Also erst mal anfangen alles zu putzen, Wäsche waschen den 220V Heizlüfter voll aufdrehen und leider auch jede Menge Sachen entsorgen.
Am nächsten Tag habe ich dann weiter versucht die undichte Stelle zu finden, jedoch zunächst erfolglos. Also habe ich erst mal angefangen mit einer kleinen mobilen Bilgepumpe die ganze Suppe in alte Trinkwasser PET Kanister ab zu pumpen. Ganzschöne Sauerei , aber nach fast einer Stunde ist die Bilge wieder leer.
Leider konnte ich noch nicht anfangen sie zu reinigen da ich die aufgequollenen Bodenbretter nicht heraus bekomme.
Gerade damit fertig frischt der Wind stark auf und peitscht die sintflutartigen Regenfälle jetzt horizontal übers Deck und auf einmal höre ich hinter mir ein plätschern. Binnen weniger Minuten steht das Regal erneut komplett unter Wasser und es läuft bereits auch wieder Wasser auf die Staufächer, die Polster befinden sich gerade im Hafengebäude zum trocknen.Schnell einen Topf drunter gestellt und ab nach draußen in den Regen. Aber die reparierte Stelle ist dicht. Das Wasser läuft also im Mast in den Schlauch und weiter ins Schiff und zwar nicht zu knapp.
Kurzerhand habe ich den Schlauch gekappt und mittels Kabelbindern einen Schwanenhals daraus gebaut. Als ich pitschnass ins Schiff zurück komme ist der Topf den ich in das Regal gestellt habe schon halb voll, und dass innerhalb von wenigen Minuten.

Hier der improvisierte Schwanenhals

Außerdem ist mir aufgefallen dass die Schrauben die den Mastfuß an Deck fixieren (meiner Meinung nach) doch sehr unterdimensioniert und vor allem sehr unschön unter einer Bronzeblende versteckt sind, das wird beim nächsten Mal auf jeden Fall auch direkt erneuert. Vor allem da das Holz in diesem Bereich durch mangelnde Abdichtung auch leicht feucht ist.

Vorsichtshalber alles provisorisch dick mit Sikalflex eingeschmiert, muss ja nur 3-4 Wochen halten….

Hier wurden die Schrauben teilweise versenkt und alles grottenschlecht gespachtel. Das wird beim nächsten mal auch geändert.

In den nächsten Tagen beobachte ich ständig die Bilge, doch es scheint kein Wasser mehr ein zu dringen. So verbringe ich die restliche Zeit damit im 2 Stunden Takt die Waschmaschine bzw. den Trockner zu befüllen und sämtliche nasse Einrichtungsgegenstände nacheinander gezielt vor dem Heizlüfter zu platzieren.

Leider war es durch den Starkregen nicht möglich weitere Arbeiten am Schiff zu erledigen. Eigentlich wollte ich die Welle ziehen und das defekte Wellenlager austauschen.Da die Regenpausen aber immer nur einige Minuten angedauert haben habe ich nur ein paar Bilder machen können. Den Sailomat habe ich dann doch noch im strömenden Regen abgebaut und für den Transport nach Deutschland zerlegt, denn auch er soll vor der Weiterfahrt noch einmal komplett überholt werden.

Hier hat sich das Gummi aus der Messinghülse gelöst und ist nach außen gewandert. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.

Zu guter Letzt habe ich noch einmal einen kleinen Einkaufsbummel unternommen und 4 Luftentfeuchter gekauft, in der Hoffnung das in 3-4 Wochen wenn ich das nächste mal vor Ort sein kann das Schimmelproblem nicht erneut aufgetreten ist.

4 Stück an der Zahl. Später Überlaufsicher in den beiden Waschbecken bzw. in zwei Schalen aufgestellt.

Nach 5 Tagen „Gefangenschaft“ in meinem am Ende zwar trockenen, jedoch durch die ganze Unordnung der zum Trocknen aufgestellten Gegenstände sehr ungemütlichen „Verlies“ war ich fast schon froh wieder nach Köln zurück zu fliegen, selbst wenn dort am nächsten Tag direkt ein Haufen Arbeit auf mich wartete…

 

 

Ein Gedanke zu “Böse Überraschung

  1. Was für ein Pech für euch! Zum Glück hast du ja den Übeltäter gefunden. Eine alte Yacht ist auch immer eine Wundertüte!
    Euch viel Spass beim Refit von Dirk, der auch seinen Morian refitet hat!

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